Franz Schubert: Impromptus, Moments musicaux und Wanderer-Fantasie

Datum: 25. September 2019

Uhrzeit: 19:30 Uhr

Ort: Uditorium Uhingen

Musik

Franz Schubert (1797 – 1828):

Vier Impromptus D 899

6 Moments musicaux D 780

PAUSE

Vier Impromptus D 935

Fantasie C-Dur („Wanderer-Fantasie“) D 760

 

Bernd Grill, Klavier

 

Franz Schuberts acht Impromptus gehören zu den Eckpfeilern des romantischen Klavierrepertoires und erfreuen sich seit jeher ungebrochener Beliebtheit. Besonders das Ges-Dur-Impromptu (D 899,3) mit seinen ausladenden Melodiebögen und der kühnen Harmonik ist zurecht ein Dauerbrenner. Doch auch sonst gewährt uns Schubert in diesen Werken einen Einblick in sein Seelenleben, das eine große Spanne abdeckt. Heiter und jugendlich wirkende Passagen wechseln sich mit durchaus dämonisch wirkenden Passagen ab – eine Eigenschaft der Schubert’schen Musik, die ganz gerne ignoriert wird. Die rhapsodische Freiheit dieser Gattung nutzt Schubert jedenfalls, um nur alle denkbaren menschlichen Stimmungen auszuloten und in Musik zu fassen. Hierbei handelt es sich fraglos um Meisterwerke für die Ewigkeit.

Einen etwas geringeren spieltechnischen und kompositorischen Anspruch, der aber nicht unterschätzt werden sollte, legen die 6 Moments musicaux (6 musikalische Momente) an den Tag. Hier werden die schönsten musikalischen Einfälle so zwanglos anneinandergereiht, dass es eine wahre Wonne ist. Die Tonsprache dieser Stücke springt den Hörer direkt an und ist aufgrund ihrer vergleichsweise leichten Fassbarkeit so beliebt.

Mit der 20-minütigen Wanderer-Fantasie schuf Schubert wohl sein monumentalstes Klavierwerk, selbst wenn seine späten Sonaten zum Teil die doppelte Aufführungsdauer haben. Hier hingegen schreibt Schubert Passagen von orchestraler Wucht (was in den Sonaten praktisch nie der Fall ist) und paart diese mit tristen, ja abgründigen Passagen im langsamen Teil. Die verkappte Sonate weist natürlich auch ein tänzerisches Scherzo auf, das schließlich in eine gigantische Fuge im letzten Teil des Werkes mündet. Der spieltechnische Anspruch ist immens, und der emotionale Rahmen, in dem sich das Werk bewegt, verlangt dem Interpreten alles ab. Das Werk, das eine gekonnte Balance zwischen der Formenstrenge der Wiener Klassik und der Emotionalität der Romantik findet, ist Schuberts pianistisches Opus summum.