Samstag, 29. März 2025
Längst hat sich das mondäne Ifen-Hotel zu Hirschegg im österreichischen Kleinwalsertal einen Namen als Gastgeber herausragender Events gemacht: so durfte ich dabei sein, als etwa Franz Keller im Dezember 2023 bei Chefkoch Sascha Kemmerer zu Gast war und wegen des illustren Gasts ein Four-Hands-Dinner der außergewöhnlichsten Sorte zelebriert wurde. Im jährlichen Terminkalender finden sich jedoch auch regelmäßig stattfindende Veranstaltungen, von denen der „Kulinarische Alpenfrühling“ trotz ca, 260 Gästen noch zu den kleineren Events im Jahr gehört! Gastgeber der Veranstaltung ist zwar die kochende Equipe des noblen Hotels, doch im Grunde genommen steckt hinter der Veranstaltung federführend die lokal ansässige Organisation mit dem wohlklingenden Namen Önsche Walser Chuche (Unsere Walser Küche), die es sich zur Aufgabe gemacht hat, kulinarische Traditionen der Heimat zeitgemäß darzubieten und deren herausragende Produkte nicht nur ins beste Licht zu rücken, sondern diese auch so nachhaltig wie möglich zu produzieren. Also präsentiert man sich turnusmäßig dem Publikum, indem man kurzerhand die bedeutendsten Köche und Produzenten der Region an einem Abend zusammentrommelt, der den Gästen zum fairen Preis von € 125 die Möglichkeit bietet, beim „Walk around“ von Station zu Station zu ziehen und zu verkosten, wonach ihnen der Sinn steht. Kein Wunder, dass die Veranstaltung ein großes Echo findet, denn längst ist allen längst klar: wenn Sascha Kemmerer als Gastgeber ruft, dann wird geklotzt und nicht gekleckert! Der Gang durch die heiligen Hallen (auch als „Küche“ bekannt) ist inkludiert, da drei der Gerichte direkt am Pass serviert werden. Die großzügigen Räumlichkeiten des Hotels bieten zudem allen Gästen genügend Platz, zumal manche auch zur Live-Musik zwischendurch das Tanzbein schwingen und einige der Kalorien gleich wieder loswerden! Selbst die Auszubildenden des Hotels kommen zum Zuge, denn sie sind auch Teil des Programms, das nun wirklich für jeden etwas zu bieten hat. Nicht wenige Gäste sind sogar als Familie mitsamt Kleinkind angereist!
Hier eine Übersicht über die Speisen des Abends:
Auszubildende des Ifen-Hotels:
Choux au craquelin mir Räucherforellenschaum an Mousseline von Erdäpfeln,
Bärlauch, Crème fraîche und Süßwasserfischkaviar
Jürgen Denk (Wirtshaus Hoheneck):
Terrine von Bergzicklein und grünem Speck, Marinade von Buttermilch
und jungen Latschenkieferzapfen sowie Walser Heidelbeeren
Marc Müller (Hotel Gemma) und Herbert Edlinger (Einfach gut – Naturprodukte):
Rahmsüppchen von Walser Frühlingskräutern und Haselkätzchen-Nudelhippe
Andreas Ziep (Gasthof Bergblick):
Sanft confierte Heimertinger Lachsforelle, warmer Rollgerstlsalat,
Holunderblütenvinaigrette und Ländle Schmand
Max Nikolic (Genuss- und Aktivhotel Sonnenburg):
Gebratenes Erdäpfel-Bergkäselaible „Hittisau 9 Monate“
Fichte, Löwenzahn und fermentiertes Weißkraut
Sascha Kemmerer und Hansjörg Frick (Kilian Stuba im Ifen-Hotel Hirschegg):
Junger Walser Ochse geschmort und rosa gebraten
Hollandaise vom Holunderessig und weißer Spargel
Jeremias Riezler (Bio & Alpahotel Walserstuba):
Entenklein vom Innauer Hof, gesottener Brennesselknödel und
Spyridoulas „vergessene“ Korinthen
Felix Bantel (Sonnenstüble im Hotel Birkenhöhe):
Rote-Bete-Knödel und XOND-Ziegenkäse mit Frühlauchschaum,
gepickeltem Kren und Jus vom geschmorten Sellerie
Variation vom Ländle-Topfen und Ifen-Honig, Rhabarber, Waldmeister und Zirbenessig
Käsedegustation und Brotauswahl von Vorarlberg Milch
und der Backwerkstatt Wirthensohn
Die Speisen des Abends, zusammengetragen an
einem Tisch für die publizistisch tätigen Anwesenden
Die Kilian Stuba mal ausnahmsweise für mich allein …
Hat gut lachen: Gastgeber Sascha Kemmerer mit Souschef Hansjörg Frick
Echtes Urgestein und ein Original durch und durch: Jeremias Riezler
Großes Talent: Felix Bantel
Feste Größe im Kleinwalsertal: Jürgen Denk
Die große Variabilität und die vorsichtigen Anleihen aus der Nordischen Küche beeindruckten mich an diesem Abend am meisten, etwa wenn frisch gesammelte Latschenkieferzapfen oder Haselkätzchen Eingang in die Gerichte fanden – keine Spur von drögem Konservativismus oder Dogmatismus. Im Gegenteil: selbst wenn die geladenen Köche nicht allesamt zur ersten Garde ihrer Zunft gehörten, so sagte dieser Umstand doch sehr wenig aus. Die Lachsforelle etwa gehörte nicht nur dank exzellenter Produktqualität, sondern nicht zuletzt wegen der grandiosen Vinaigrette zu den Höhepunkten des Abends. Fast alle Gerichte warteten mindestens mit einer kleinen Überraschung auf – und sei es, nur weil eine sattsam bekannte Kreation mit einem völlig ungewöhnlichen Begleiter gepaart wurde und schon etwas aufregend Neues entstanden war. Vollkommen daneben lag jedenfalls, wer dachte, dass die Veranstaltung eine Parade an banalen oder verstaubten Gerichten bieten würde!
Alles in allem eine großartige Veranstaltung, deren Besuch im nächsten Jahr an dieser Stelle durchaus nahegelegt sei! Den Organisatoren gilt mein Dank, dass sie dieses wirklich schöne Event auf die Beine gestellt und hochprofessionell organisiert haben! Vielen herzlichen Dank!