Harald Wohlfahrt erneut zu Gast in der Scheck-in-Kochfabrik

Samstag, 14. März 2026

Als einer der größten Chefs, die dieses Land je hervorgebracht hat, bedarf Harald Wohlfahrt in Kennerkreisen natürlich keiner großen Vorstellung. Dennoch ist es gleichzeitig zutreffend, dass der Altmeister nach seinem Rückzug aus der Schwarzwaldstube nur noch selten öffentlich auftritt und seine beispiellose Expertise stattdessen vor allem in beraterischen Tätigkeiten einbringt. Umso erfreulicher war es für mich (und viele andere) zu sehen, dass dieser illustre Chef, der zugleich für die Scheck-in-Kochfabrik in Achern tätig ist, nach dem großen Erfolg der Premiere im Vorjahr erneut seine Bereitschaft erklärt hatte, ein zweites Gala-Event dieser Art mit seinem Namen zu schmücken und aktiv zu bekochen.

Dass die Kochfabrik dafür mehr als geeignete Räumlichkeiten offeriert, ist hinlänglich bekannt – und doch nötigt einem die minutiöse Vorbereitung und Präzision, derer es für die Bewirtung von gut 120 Gästen bedarf, allergrößten Respekt ab. Wenn die Servicekräfte vom Pass zeitweilig im Zwei-Sekunden-Takt die Teller abholen und dem Gast vorsetzen, dann bekommt man hautnah eine Vorstellung davon, wie sehr alles bis ins kleinste Detail geplant sein muss.

Qualitative Abstriche duldet Harald Wohlfahrt dabei natürlich nicht, denn wie schon im Vorjahr erreichte die Menüfolge wieder ein Niveau von zwei Sternen – trotz weitgehend unbekannter Mitarbeiter und vieler neu einstudierter Arbeitsabläufe. Der Preis für sechs Gänge samt Weinbegleitung betrug zwar pro Person diesmal € 159 (und damit dreißig Euro mehr als im Vorjahr), doch war er für das Gebotene fraglos noch immer ein echtes Schnäppchen. Im Gegenzug hatten die Veranstalter ihre Lehren vom Vorjahr gezogen und an der einen oder anderen Stelle nachjustiert, indem diesmal beispielsweise auch Live-Musik geboten wurde. Ansonsten hatte sich am reibungslosen Ablauf nicht viel verändert, was zum erneuten Gelingen eines außergewöhnlichen Abends beitrug.

Die dargebotenen Speisen huldigten erkennbar der französischen Küche und wirkten auf manchen Gast eventuell schon leicht museal, doch muss man in diesem Fall entgegenhalten, dass es zum einen der Qualität keinerlei Abbruch tat und zum anderen die Retro-Küche, die es sich zur Aufgabe macht, große Klassiker zeitgemäß und behutsam zu interpretieren, derzeit besonders en vogue ist. Aufstrebende Jungchefs können natürlich jede Menge von diesen Gerichten lernen, deren Substanz immer noch ausgesprochen hoch ist.

Hier die Eindrücke des Abends:

Öffentlichkeitswirksame Anrichte des ersten Gangs vor aller Augen
in einer vegetarischen Variante mit Spargel oder mit Krustentier

Logistische Herausforderungen liebt man hier offenbar!

Hektisches Treiben am Pass (mit dem Meister links im Bild)

Amuse bouche: Lauwarmes Karotten-Ingwer-Süppchen
mit Kokosschaum und Koriander

Sanft gegarter Hummer und gegrillte Jakobsmuschel
mit sautierten Zuckerschoten und Sauce Pistou
Wein: 2023 Pouilly-Fuissé Vieilles Vignes,
Pierre Vessigaud (Burgund)

Gefüllte Steinpilzgnocchi auf Pilzkompott
mit Entenlebercroûtons und Trüffelschaum
Wein: 2024 Pinot Grigio, Elena Walch (Alto Adige)

Gebratenes Filet vom Skrei mit Hummus und Borlottibohnen
im Tomaten-Escabechesud mit Küchenkräutern
Wein: 2023 Petit F…, Pouilly Fumé, Michel Redde (Loire)

Rosa gebratener Kalbsrücken mit Pinienkernkruste,
geschmortem Ofengemüse und Barbecue-Gewürzsauce
Wein: 2020 Château Clément-Pichon, Cru Bourgeois,

Haut-Médoc (Bordeaux)

Gefüllter Ravioli mit Roquefort-Schaum und Birnenkompott
Wein: 2023 Gewürztraminer „Steingasse“, Trois Collines,
Hubert Reyser (Elsass)  

Schoko-Stracciatella-Schnitte mit Zitrusfrüchten und Limoncello-Eis
Limoncello-Spritz

Das Schlusswort blieb selbstverständlich dem großen Meister
vorbehalten, der dem engagierten Team nochmals dankte

Besonders gut kam bei diesem Menü meiner Meinung nach die viel gerühmte, oft sogar als unnachahmlich bezeichnete Saucenkunst des Meisters zur Geltung. Auch sonst offenbarte diese Parade natürlich all die Attribute, welche die Küche von Harald Wohlfahrt über Jahrzehnte hinweg ausgezeichnet haben – und genau deshalb konnte sie wohl denjenigen im Publikum besonders imponieren, denen vielleicht nicht das Glück beschieden war, den Meister noch in Aktion in der Schwarzwaldstube erlebt zu haben. Überhaupt sprach die Veranstaltung ein im Schnitt relativ junges Publikum an, zumal viele Gäste tatsächlich auch aus der Region zu stammen schienen. Mein Dank gilt natürlich den Organisatoren, die so ein fair bepreistes Event überhaupt auf die Beine stellen können, und Harald Wohlfahrt selbst, der er sich einmal mehr nicht hat nehmen lassen, zusammen mit seiner Frau seine unvergleichliche Kunst zu präsentieren.

So oder so fällt mein Fazit eindeutig aus: sollte es dazu kommen, wäre ich auch einem dritten Event dieser Art gewiss nicht abgeneigt!