Samstag, 14. Juni 2025
Zugegeben: bis zur recht spontanen Teilnahme an diesem wirklich illustren Event hatte ich noch nie etwas von der Scheck-in-Kochfabrik gehört. Dabei betreibt die Familie Scheck seit mehreren Generationen fast zwanzig Lebensmittelmärkte im Südwesten der Republik und gönnt sich als Prestigeobjekt eben jene Eventlocation in Achern im Ortenaukreis, das als eines der westlichen Tore zum Schwarzwald gilt. Die genussaffine Region bietet offenbar ideale Voraussetzungen, um solch ein Etablissement erfolgreich durchzubringen, denn von außen wirkt es eher unscheinbar, zumal es direkt an einen Supermarkt vor den Toren der Stadt angrenzt. Innen befindet sich dagegen eine ansprechende Räumlichkeit, die übers Jahr gesehen floriert und ständig für Events wie Kochkurse, Krimidinner, Küchenpartys und Tastings genutzt wird, doch unter den gut und gern 50 Veranstaltungen pro Jahr finden sich auch immer wieder vereinzelte echte Highlights, die einen aufhorchen lassen.
So stieß ich in einem eher sporadisch aktualisierten Social-Media-Kanal von Harald Wohlfahrt auf eine Ankündigung, das mir den Atem stocken ließ: darin wurde eine Gala mit dem hochdekorierten, ehemaligen Chef der Schwarzwaldstube bekanntgegeben, die inklusive Weinbegleitung satte sechs Gänge umfassen sollte und zum Gesamtpreis von € 129 (!) pro Person offeriert wurde. Zwangsläufig drängte sich mir sofort die Frage auf, wo der Haken war. Natürlich buchte ich sofort und war auf jedwede unliebsame Überraschung von vornherein gefasst, doch es sollte nichts dergleichen geschehen! Offenbar bezuschussen die Betreiber (auch dank der Hilfe weiterer Sponsoren) solche Events noch, um ihre Marke bekannter zu machen.
Woher rührte meine Vorfreude auf dieses Event? Nun, seit seinem geräuschvollen Rückzug von der Schwarzwaldstube ist Harald Wohlfahrt in erster Linie als kulinarischer Berater tätig, wo er seine unvergleichliche Expertise gewinnbringend einsetzen kann, doch ging damit natürlich einher, dass er sich weitgehend von der großen Restaurantbühne zurückgezogen hatte und öffentliche Auftritte seither eher rar geworden sind. Gerade deshalb sollte allein der klangvolle Name eines Grand Chefs, der zu den besten deutschen Köchen aller Zeiten gezählt werden muss, immer noch jedem ernsthaften Gourmet Ansporn genug sein, den Meister bei einer der seltenen Gelegenheiten noch in Aktion zu erleben.
Hier ein paar bebilderte Eindrücke, bevor noch kurz gesondert auf das Essen eingegangen wird:



Die großzügigen Platzverhältnisse ermöglichen
ein problemloses Wandeln zwischen den Stationen

Die allergrößten Namen gaben sich hier schon die Ehre:
stolz posiert Christoph Scheck-Berger mit Jahrhundertkoch Eckart Witzigmann,
doch auch weitere Spitzenköche wie Dieter Müller und Johann Lafer
finden sich unter den Memorabilia an einer Seitenwand

Die hochprofessionelle Ausrichtung begann natürlich schon
mit kaltgestellten Getränken, denn es galt,
nicht weniger als gut 120 Gäste (!) zu versorgen

Die Anrichte des ersten Gangs erfolgte im öffentlich zugänglichen
Teil der Küche, so dass man problemlos zusehen konnte

Auch Slavka, die charmante Ehefrau des Chefs, packte mit an

Der als eher introvertiert geltende Meister signierte zum guten Schluss
mein Buch aus der Gourmet Edition der Süddeutschen Zeitung!
Natürlich steht und fällt der Erfolg eines solchen Abends in erster Linie immer noch mit der Qualität der Speisen, doch allein der Blick auf die Speisekarte stimmte frohgemut. Im folgenden sind die einzelnen Gänge bebildert und benannt.

Marinierte Flusskrebse und Schneekrabbenfleisch
mit Kimchi-Sesam, Affilakresse und Alpenblüten
Weinbegleitung: Riesling Q&A feinherb 2023, Weingut Meßmer (Pfalz)

Thaicurrysuppe und gebackene Jakobsmuschel
mit Kakao-Esouma, Kaffirlimette, Macadamianüsse und Chili
Weinbegleitung: Les Trois Collines, Hubert Reyser (Elsaß), Pinot gris 2023

Weiße Heilbuttschnitte
mit Olivenkruste auf Safran, Muschelfumet und Dillspitzen
Weinbegleitung: Alexander Laible (Baden), Muschelkalk *** Weißer Burgunder

Das Beste vom Kalb mit Trüffeljus, zweierlei Spargelragout,
sautierte Pfifferlinge und Parmesangnocchi
Weinbegleitung: Château Carignon, Bordeaux, Cadillac 2020

Ricottaravioli auf Artischockenragout in Trüffelbutter
mit geriebenem Parmesan
‚Weinbegleitung: Sancerre 2022, Daniel Crochet (Loire)

„Bellini-Surprise“
Champagnerschaum auf Sorbet von weißem Pfirsich und Pistazienbiskuit
Weinbegleitung: Graham’s Fine White Port

Süßer Ausklang: Opéra-Schnitte
Allen Gängen gemeinsam waren die typisch französischen Attribute, die Harald Wohlfahrts Kunst seit jeher ausgezeichnet haben: geschmackliche Tiefe, langanhaltende Intensität und äußerte Reinheit der Produkte bei der Zubereitung. Das hohe Niveau wurde vom ersten bis zum letzten Gang gehalten, wenngleich ich insbesondere die Thaicurrysuppe und den Heilbutt getrennt hervorheben würde. Das unvergleichliche Gespür für Harmonie und Ausgewogenheit, das so schwer umsetzen ist, ging dem Meister trotz ungewöhnlicher Arbeitsbedingungen nach wie vor äußerst überzeugend von der Hand.
Man vergegenwärtige sich nur einmal, dass bei diesem Event eine dreistellige Zahl an Gästen mit hohen Erwartungen bewirtet wurde – das sind außergewöhnliche Verhältnisse, wie man sie in Deutschland ansonsten nur aus dem Münchner Tantris oder aus dem PALAZZO kennt, wo allerdings tagtäglich aufgekocht wird. Der wesentliche Unterschied zum Tantris besteht darin, dass der Prozess dort eingespielt ist und jeder Handgriff sitzt, während hier ein Weltklassechef mit fremden Rahmenbedingungen in der Küche und mit einem ihm weitgehend unbekannten Team auskommen musste, was eine enorme Herausforderung darstellt. Gleichwohl ist klar, dass der Name von Harald Wohlfahrt auch weiterhin nichts weniger als ein exorbitantes Niveau garantiert, so dass ich dieser überragenden Darbietung (dazu noch zu einem komplett unwahrscheinlichen Preis) aus dem Stand heraus zwei Sterne vergeben hätte.
Zum Schluss sei noch die Frage geklärt, wozu dieser Bericht denn nun dient: die einfache und dennoch verblüffende Antwort darauf lautet, dass schon das nächste Event dieser Art mit Harald Wohlfahrt für Samstag, den 14. März 2026 zwischenzeitlich terminiert worden ist! Es ist zwar zutreffend, dass die Teilnahme pro Person dann € 159 kosten soll, was aber angesichts der Darbietung (Weinbegleitung inkludiert!) immer noch einen Spottpreis darstellt. Das werde ich mir jedenfalls nicht entgehen lassen!
