Deutsche Sternerestaurants: Hitlisten 2020

Lange schon trug ich mich mit dem Gedanken, einmal Restaurants nach bestimmten Kriterien zu ordnen und so meinen Lesern auch einen besseren Überblick zu bieten. Wie aktuell diese Liste nach der Corona-Krise noch sein wird, steht leider in den Sternen: angesichts der massiven wirtschaftlichen Folgen der Pandemie muss man kein Prophet sein, um vorherzusagen, dass auch das eine oder andere Sternerestaurant dem Pleitegeier zum Opfer fallen dürfte. Man will es natürlich nicht hoffen und gönnt es keinem, dass es soweit kommt, aber die Gastrolandschaft in Deutschland wird (wie so vieles) eine andere nach der Krise sein.

Auf der Liste befinden sich ausschließlich deutsche Restaurants, die ich alle schon mindestens einmal (die meisten davon in der jüngeren Vergangenheit) besucht habe – es befinden sich also keine Urteile darunter, die ausschließlich vom Hörensagen kommen.

Dessen ungeachtet schwelge ich hier vielleicht auch ein wenig in nostalgischen Erinnerungen, aber irgendwie muss man ja diese lange Zeit ohne Hochküche überbrücken! Hier daher ein ausführlicher Überblick über so manche interessante Rangliste, die nur nach meinem rein subjektiven Empfinden erstellt wurde.

 

Bestes Preis-Leistungs-Verhältnis (3 Sterne):

  1.  Bareiss, Baiersbronn
  2.  The Table, Hamburg
  3.  GästeHaus Klaus Erfort, Saarbrücken

Schlechtestes Preis-Leistungsverhältnis (3 Sterne):

  1.  Überfahrt, Rottach-Egern
  2.  Victor’s Fine Dining, Perl-Nennig
  3.  Sonnora, Dreis

Bestes Preis-Leistungs-Verhältnis (2 Sterne):

  1.  FACIL, Berlin
  2.  bianc, Hamburg
  3.  AMMOLITE – The Lighthouse Restaurant, Rust

Schlechtestes Preis-Leistungs-Verhältnis (2 Sterne):

  1.  sosein, Heroldsberg
  2.  Tantris, München
  3.  Lorenz Adlon Esszimmer, Berlin

Bestes Preis-Leistungs-Verhältnis (1 Stern):

  1.  Johanns, Waldkirchen
  2.  Intense, Kallstadt
  3.  Juwel, Schirgiswalde-Kirschau

Schlechtestes Preis-Leistungs-Verhältnis (1 Stern):

  1.  top air, Stuttgart
  2.  Wielandshöhe, Stuttgart
  3.  Im Schiffchen bei Enzo, Düsseldorf-Kaiserswerth

Beste Adressen für Vinophile:

  1.  Schwarzer Adler, Vogtsburg
  2.  Tantris, München
  3.  Le Cerf, Zweiflingen
  4.  Schwarzwaldstube, Baiersbronn
  5.  Bareiss, Baiersbronn
  6.  Haerlin, Hamburg
  7.  Residenz Heinz Winkler, Aschau im Chiemgau
  8.  Lorenz Adlon Esszimmer, Berlin
  9.  Schwarzer Hahn, Deidesheim
  10.  Sonnora, Dreis

Anmerkung: Sollte das derzeit abgerissene und im Neubau befindliche Hotel „Königshof“ samt Restaurant am Münchner Stachus Ende 2021 wieder mit demselben Standard wie bei der Schließung eröffnen, dann kann das Lokal getrost wieder zu den Top 3 gerechnet werden. Ob dann der unvergleichliche Stéphane Thuriot (eine Legende unter den Sommeliers) immer noch bzw. wieder an Bord sein wird, darf leider bezweifelt werden. Doch sicherlich werden auch so seltene Pretiosen wie ein 1995er Doc Romanée Conti (€ 15.000) oder über 150 Jahre alte Cognacs (ca. € 360 für 4 cl) weiterhin ihre Abnehmer finden.

Hochburgen der Avantgarde:

  1.  August, Augsburg
  2.  Falco, Leipzig
  3.  The Table, Hamburg
  4.  Horváth, Berlin
  5.  Vendôme, Bergisch Gladbach

Gralshüter der Klassik:

  1.  Sonnora, Dreis
  2.  Residenz Heinz Winkler, Aschau im Chiemgau
  3.  Schwarzwaldstube, Baiersbronn
  4.  Tantris, München
  5.  Le Pavillon, Bad Peterstal-Griesbach

Feudalstes Ambiente:

  1.  Le Cerf, Zweiflingen
  2.  Lorenz Adlon Esszimmer, Berlin
  3.  Courtier, Weissenhaus
  4.  Residenz Heinz Winkler, Aschau im Chemgau
  5.  Friedrich Franz, Heiligendamm

Tolle Aussicht:

  1.  Falco, Leipzig (auf die Altstadt)
  2.  Ostseelounge, Dierhagen (auf den Sonnenuntergang über der Ostsee)
  3.  Sterneck, Cuxhaven (auf die Nordsee und die Insel Neuwerk)
  4.  Meierei Dirk Luther, Glücksburg (auf die Flensburger Förde)
  5.  Wielandshöhe, Stuttgart (in den Talkessel der Metropole)
  6.  Fine Dining Rolf Straubinger, Salach (über das Filstal auf die Schwäbische Alb)
  7.  Residenz Heinz Winkler, Aschau im Chiemgau (auf die Kampenwand)
  8.  Eisvogel, Neunburg vorm Wald (auf die Oberpfälzer Seenplatte)
  9.  Johanns, Waldkirchen (auf den Bayerischen Wald)
  10.  Lorenz Adlon Esszimmer, Berlin (aufs Brandenburger Tor und den Pariser Platz)

Engste Restaurants:

  1.  Le Moissonnier, Köln
  2.  Essigbrätlein, Nürnberg
  3.  Piment, Hamburg

Dunkelste Restaurants:

  1.  Intense, Kallstadt
  2.  AMMOLITE – The Lighthouse Restaurant, Rust
  3.  Délice, Stuttgart
  4.  Luce d’Oro, Elmau
  5.  Siedepunkt, Ulm

Spannendstes Außendesign:

  1.  EssZimmer, München
  2.  Yunico, Bonn
  3.  Les Deux, München
  4.  AMMOLITE – The Lighthouse Restaurant, Rust
  5.  Becker’s, Trier

Individuellstes Innendesign:

  1.  Goldberg, Fellbach
  2.  AMMOLITE – The Lighthouse Restaurant, Rust
  3.  Tantris, München
  4.  August, Augsburg
  5.  EssZimmer, München
  6.  Juwel, Schirgiswalde-Kirschau
  7.  Falco, Leipzig
  8.  L.A. Jordan, Deidesheim
  9.  Lafleur, Frankfurt am Main
  10.  Dichterstub’n, Rottach-Egern

Vom MICHELIN (meiner Meinung nach) überbewertet:

  1.  Landhaus Feckl, Ehningen (kein Stern anstatt einem Stern)
  2.  Wielandshöhe, Stuttgart (kein Stern anstatt einem Stern)
  3.  Alt Wyk, Föhr (kein Stern anstatt einem Stern)
  4.  Residenz Heinz Winkler, Aschau im Chiemgau (ein Stern anstatt zwei Sterne)
  5.  Hirschen, Sulzburg (ein Stern anstatt zwei Sterne)

Vom MICHELIN (meiner Meinung nach) unterbewertet:

  1.  Dichterstub’n, Rottach-Egern (zwei Sterne anstatt einem Stern)
  2.  L.A. Jordan, Deidesheim (zwei Sterne anstatt einem Stern)
  3.  Die Zirbelstube, Stuttgart (zwei Sterne anstatt einem Stern)
  4.  Friedrich Franz, Heiligendamm (zwei Sterne anstatt einem Stern)
  5.  Intense, Kallstadt (zwei Sterne anstatt einem Stern)

Vom Gault&Millau (meiner Meinung nach) überbewertet: 

  1.  Landhaus Feckl, Ehningen (14 anstatt 17 Punkte)
  2.  Wielandshöhe, Stuttgart (14 anstatt 16 Punkte)
  3.  Weinhaus Uhle, Schwerin (14 anstatt 16 Punkte)
  4.  Landhaus St. Urban (17 anstatt 18 Punkte)
  5.  BODENDORF’s, Tinnum/Sylt (17 anstatt 18 Punkte)

Vom Gault&Millau (meiner Meinung nach) unterbewertet:

  1.  August, Augsburg (17 anstatt 15 Punkte)
  2.  Olivo, Stuttgart (17 anstatt 15 Punkte)
  3.  bianc, Hamburg (17 anstatt 16 Punkte)
  4.  Délice, Stuttgart (17 anstatt 16 Punkte)
  5.  Intense, Kallstadt (17 anstatt 16 Punkte)

Vom FEINSCHMECKER (meiner Meinung nach) überbewertet:

  1.  Tantris, München (4 F anstatt 5 F)
  2.  Landhaus St. Urban, Naurath (3,5 F anstatt 4,5 F)
  3.  Schlossberg, Baiersbronn (3,5 F anstatt 4,5 F)
  4.  Wielandshöhe, Stuttgart (2,5 F anstatt 3,5 F)
  5.  BODENDORF’S, Tinnum (3,5 F anstatt 4 F)

Vom FEINSCHMECKER (meiner Meinung nach) unterbewertet:

  1.  Friedrich Franz, Heiligendamm (4 F anstatt 3 F)
  2.  Piment, Hamburg (4 F anstatt 3 F)
  3.  Les Deux, München (3,5 F anstatt 2,5 F)
  4.  AMMOLITE – The Lighthouse Restaurant, Rust (4 F anstatt 3,5 F)
  5.  Délice, Stuttgart (3 F anstatt zuletzt 2,5 F und 2020 keine Note mehr!)

Vom GUSTO (meiner Meinung nach) überbewertet:

  1.  Lorenz Adlon Esszimmer (9,5 Pfannen anstatt 10,5 Pfannen)
  2.  top air, Stuttgart (8 Pfannen anstatt 9 Pfannen)
  3.  Lamm Rosswag, Vaihingen an der Enz (8 Pfannen anstatt 9 Pfannen)
  4.  Schlossberg, Baiersbronn (8 Pfannen anstatt 9 Pfannen)
  5.  Hirschen, Sulzburg (8 Pfannen anstatt 9 Pfannen)

Vom GUSTO meiner Meinung nach unterbewertet:

  1.  Le Cerf, Zweiflingen (9 Pfannen anstatt 7,5 Pfannen)
  2.  Les Deux, München (8 Pfannen anstatt 7 Pfannen)
  3.  Yunico, Bonn (8 Pfannen anstatt 7 Pfannen)
  4.  Luce d’Oro, Elmau (9,5 Pfannen anstatt 9 Pfannen)
  5.  Tim Raue, Berlin (9,5 Pfannen anstatt 9 Pfannen)

Die sympathischsten Köche:

  1.  Thomas Kellermann, Dichterstub’n (Rottach-Egern)
  2.  Ronny Siewert, Friedrich Franz (Heiligendamm)
  3.  Christian Sturm-Willms, Yunico (Bonn)
  4.  Kevin Fehling, The Table (Hamburg)
  5.  Jan Hartwig, Atelier (München)

Anmerkung: der Ruf heutiger Köche ist meines Erachtens viel besser als noch vor zwei Jahrzehnten. Einzelne weniger sympathische Köche gibt es sicherlich auch, aber über deren Namen sei hier der Mantel des Schweigens gehüllt …

Meine Lieblingsmaîtres (männlich):

  1. Norman Rex, Friedrich Franz (Heiligendamm)
  2. Marco Gerlach, AMMOLITE – The Lighthouse Restaurant (Rust)
  3. Oliver Kraft, Lorenz Adlon Esszimmer (Berlin)
  4. Fabrice Kieffer, Les Deux (München)
  5. Pascal Foechterlé, Die Zirbelstube (Stuttgart)
  6. Thomas Brandt, Bareiss (Baiersbronn)
  7. David Breuer, Schwarzwaldstube (Baiersbronn)
  8. Frank Glüer, EssZimmer (München)
  9. Evangelos Pattas, Délice (Stuttgart)
  10. Matthias Däuble, Nagaya (Düsseldorf)

Meine Lieblingsmaîtres (weiblich):

  1. Barbara Englbrecht, Atelier (München)
  2. Marie-Helen Krebs, Luce d’Oro (Elmau)
  3. Marianne Wiedemann, Dichterstub’n (Rottach-Egern)
  4. Katrin Feix, Die Zirbelstube (Stuttgart)
  5. Nadine Akuzun, top air (Stuttgart)
  6. Christine Becker, Becker’s (Trier)
  7. Julia Pleintinger, Vicotr’s Fine Dining (Perl-Nennig)
  8. Christa Wolf, Eisenbahn (Schwäbisch Hall)
  9. Bärbel Ring, Söl’ring Hof (Rantum)
  10. Ulrike Thieltges, Sonnora (Dreis)